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Abb.: Amichai Green

Humboldt-Universität zu Berlin - Crossing Borders – Border Crossings

Interdisziplinäres Forschungskolloquium Border Studies und kritische Migrationsforschung

Jens Adam, Nenad Stefanov

Interdisziplinäres Forschungskolloquium „Border Studies“ und kritische Migrationsforschung

Bordering Europe: Grenzpolitiken, (post-) imperiale Gefüge und die Produktion von zeiträumlichen Un-/Ordnungen entlang der EU-Außengrenzen

 

Do 14–18 Uhr (17.5./28.6./12.7.)

Offen für interessierte Masterstudierende, Promovierende und PostDocs der HU, insbesondere der Europäischen Ethnologie, Geschichtswissenschaften, Kulturwissenschaft und Gender Studies

 

17.5. Bordering Europe: Grenzpolitiken, (post-) imperiale Gefüge und die Produktion von zeiträumlichen Un-/Ordnungen entlang der EU-Außengrenzen I – Institut für Slawistik, Dorotheenstraße 65, Raum 5.57

  • 14:15–14:45

    inhaltliche Einführung in das Semesterprogramm, Erwartungen der Teilnehmenden, Vorstellung, Diskussion und Ergänzung des Programms

  • 14:45–15:45

    Textdiskussion Jansen (2014) mit Schwerpunkt auf der Produktion von zeiträumlichen Gefügen an den EU-Außengrenzen als Effekt von Europäisierungsprozessen sowie auf „temporal reasoning“ als einer analytischen Untersuchungskategorie.

  • 16:15–17:45

    Vortrag mit Diskussion von Maria Brujic (Sozialanthropologin, Belgrad): „Yearnings for the normal lives“ after 2000 in Serbia and Bosnia-Herzegovina – comparative anthropological analysis.

 

27.6. Antrittsvorlesung Nenad Stefanov – Institut für Geschichtswissenschaft, Friedrichstraße 191, Raum 5008, 5. OG. Beginn: 16 Uhr.

 

28.6. Bordering Europe: Grenzpolitiken, (post-) imperiale Gefüge und die Produktion von zeiträumlichen Un-/Ordnungen entlang der EU-Außengrenzen II – Institut für Slawistik, Dorotheenstraße 65, Raum 5.57

  • 14:15–15:45

    Vergleichende Diskussion aktueller Forschungsarbeiten zu Grenzregimen/ -politiken in unterschiedlichen Settings entlang der EU-Außengrenzen (Mittelmeer, Südosteuropa, postsowjetischer Raum) insbesondere im Hinblick auf deren Effekte auf zeiträumliche Ordnungen. Im Zentrum stehen hierbei folgende Studien: Andersson 2014, Cabot 2014, Follis 2012. (Bei Interesse können gerne laufende/geplante Forschungsvorhaben von Teilnehmenden in das Programm integriert werden.)

  • 16:15–17:45

    Vortrag mit Diskussion von Srđan Radović, (Ethnologisches Institut Belgrad): Titel folgt zeitnah

 

12.7. Bordering Europe: Grenzpolitiken, (post-) imperiale Gefüge und die Produktion von zeiträumlichen Un-/Ordnungen entlang der EU-Außengrenzen III – Raum wird noch bekanntgegeben

 

  • 14:15–15:45

    Input von Nenad Stefanov und Textdiskussion: Bedeutungswandel von Grenzen auf dem Balkan: vom Eisernen Vorhang zu EU–Außengrenzen

  • 16:15–17:45

    Präsentation und Diskussion von laufenden oder geplanten Forschungsvorhaben von Kolloquiumsteilnehmer_innen; genauere Ausgestaltung erfolgt im Laufe des Semesters und auf Basis der vorherigen Diskussionen.

 

 

Programm (Stand: 5.5.18)

Moodle-Kurs zur Veranstaltung (für HU-Mitglieder)

 

In diesem Semester wird sich das Kolloquium schwerpunktmäßig mit Texten und Forschungen beschäftigen, die Grenzräume und –regime entlang des „EU’s immediate outside“ (Jansen 2015) untersuchen. Hierunter verstehen wir zunächst Konstellationen direkt hinter den gegenwärtigen Außengrenzen, in denen EU-Politiken und Regularien dennoch vielfältige Machteffekte hervorrufen und sogar spezifische zeiträumliche Ordnungen ko-kreieren.

So hat etwa der Anthropologe Stef Jansen Bosnien-Herzegowina als einen „geopolitisch produzierten Warteraum“ analysiert, in dem die Zeit zu stagnieren oder erratisch voranzuschreiten scheint. Bürger_innen werden hier durch diskriminierende Grenzregime „stillgestellt“ und verlieren sukzessive ihr Vermögen, lineare Biografien zu leben oder zu planen. „Zukunft“ wird zu einer flüchtigen, kaum greifbaren Figur; Stagnation, kurzfristige Projekte und ein Sehnen nach „Normalität“ bestimmen das individuelle und kollektive zeitliche Empfinden in diesem Warteraum.

Wir wollen solche Beobachtungen und Analysen zum Anlass nehmen, um einen vergleichenden Blick auf unterschiedliche zeiträumliche Konstellationen entlang der südlichen und östlichen EU-Außengrenze zu werfen. Hierzu streben wir an, ethnografische Befunde mit einer historischen Tiefenschärfe auszustatten, indem wir etwa nach den Präsenzen vergangener und gegenwärtiger „imperialer Formationen“ (Stoler, McGranahan & Perdue 2007) fragen. Denn in diesen Grenzräumen treffen EU-Politiken und bürokratische Prozeduren auf die (materiellen, sozialen, ökonomischen, imaginären...) Überbleibsel und Effekte kolonialer Herrschaft, des Osmanischen oder Habsburgerreiches oder des Staatssozialismus.

Vor diesem Hintergrund möchten wir insbesondere folgende Fragestellungen diskutieren: Welche neuen Erkenntnisse lassen sich über die gegenwärtige Konfiguration der EU als einer zweifelsohne machtvollen, ggf. imperialen Formation durch einen solchen vergleichenden und interdisziplinären Blick gewinnen? Stechen bestimmte politische Rationalitäten, Praxen und Brechungen besonders deutlich hervor, wenn man Settings im südlichen Mittelmeer, in Südosteuropa und im postsowjetischen Raum in einen analytischen Zusammenhang bringt? Rufen EU-Grenzregime hier ähnliche oder eher differierende, plurale zeitliche Rationalitäten oder zeiträumliche Ordnungen hervor? welche Formen einer temporalen Fassung von Grenzen sind produktiv für eine Analyse? Und welche alternativen relationalen Geographien von „Europa“ tauchen auf, wenn wir Orte und Konstellationen, die aktuell direkt außerhalb der EU-Außengrenze liegen, ins Zentrum rücken?

In den drei vierstündigen Sitzungen werden folgende Lehr- und Diskussionsformate kombiniert: (i) die gemeinsame Erarbeitung von und Auseinandersetzung mit aktuellen Forschungsansätzen und Fragestellungen auf Basis einer vorbereitenden Lektüre von jeweils zwei Pflichttexten; (ii) Vorträge von Gastreferenten; (iii) die Vorstellung von laufenden Promotions- und ggf. fortgeschrittenen Masterprojekten, die sich – auch abweichend von dem Semesterthema – in den Bereichen der Border Studies, Migrations- und Europäisierungsforschung usw. bewegen.

 

Eine regelmäßige Teilnahme an den Veranstaltungen, einschließlich der Vorbereitung der Texte und Beteiligung an den Diskussionen, wird vorausgesetzt. Masterstudierende sollten idealerweise schon Vorkenntnisse mitbringen, etwa aus Einführungsseminaren mit Schwerpunkt „Europa/Europäisierung“, „Migration“ und/oder „Grenze“. Zur Planung der Zusammenarbeit im Kolloquium ist die Teilnahme an der Einführungsveranstaltung am 17.5.2018 dringend erforderlich.

 

 

Literatur

  • Heath Cabot: On the Doorstep of Europe. Asylum and Citizenship in Greece. Philadelphia 2014
  • Elizabeth Cullen Dunn: No Path Home. Humanitarian Camps and the Grief of Displacement. Ithaca, London 2017.
  • Elizabeth Cullen Dunn & Michael S. Bobick: The empire strikes back: War without war and occupation without occupation in the Russian sphere of influence. In: American Ethnologist 41,3 (2014).
  • Stef Jansen: Yearnings in the Meantime. ‘Normal Lives’ and the State in a Sarajevo Apartment Complex. New York & Oxford 2015.
  • Yael Navaro-Yashin: „Life is Dead Here“: Sensing the Political in No-Man’s Land. In: Anthropological Theory 3,1 (2003)
  • Madeleine Reeves: Border Work: Spatial Lives oft he State in Rural Central Asia. Cornell 2014.
  • Ann Laura Stoler, Carole McGranahan & Peter C. Perdue (eds.) (2007): Imperial Formations. Santa Fe: School for Advanced Research Press.
  • Ann Laura Stoler: (ed.) (2013): Imperial Debris. On Ruins and Ruination. Durham, London: Duke University Press. Philadelphia 2014.
  • Charles S. Maier, Once Within Borders Territories of Power, Wealth, and Belonging since 1500, Harvard University Press 2016.
  • Wendy Brown, Walled States, Waning Sovereignty, New York: Zone Books 2010
  • Béatrice von Hirschhausen, Michael G. Esch (Hg.), Wahrnehmen - Erfahren - Gestalten. Phantomgrenzen und soziale Raumproduktion, Göttingen 2017